Gerriet Stenvers
Historisch gesehen kam es von Anfang an zwischen Hamburg und Altona zu Auseinandersetzungen über Weide- und Münzrechte, Zunft- und Glaubensfragen und die Nutzung der Elbe. 1591 brach ein Grenzkrieg aus, der auch vor dem Reichskammergericht ausgetragen wurde und erst 1740 durch einen Vergleich endete. Ebenso akzeptierte Hamburg Altonas Stadtprivileg von 1664 erst 1692 im Kopenhagener Rezess.
Altona war nämlich nicht seit jeher ein Stadtteil Hamburgs wie heute, sondern mehr als 200 Jahre lang eine unter dänischem Einfluss stehende Ortschaft an der Grenze zu Hamburg. Es handelt sich hierbei um den Zeitraum von 1640 bis 1864, also seitdem das Gebiet zum Herzogtum Holstein kam, in Personalunion vom dänischen König regiert wurde und schließlich durch den deutsch-dänischen Krieg 1864 letztlich preußisch wurde. Hierzu ist ein Blick auf die Geschichte Altonas sicherlich hilfreich.
Geschichte der Stadt Altona
Die erste urkundliche Erwähnung Altonas stand im Jahr 1537 im Zusammenhang mit der Krugwirtschaft des Fischers Joachim vom Lohe, noch unter dem Namen „Altena“. Um den Krug entstand Altena als Fischer- und Handwerkersiedlung, die von den Landesherren, den Grafen von Holstein-Pinneberg, gefördert wurde. Die Fischerkneipe hat dem Ort der Legende nach den Namen gegeben. Die Schankwirtschaft befindet sich für die Hamburger Stadtoberen, auch im Hinblick auf die Schankwirtschaften im eigenen Stadtbezirk, „all to nah“ (allzu nah) an der Grenze zu Hamburg. Da Altona mit seinen damals rund 50 Einwohnern aber zum Gebiet des Grafen von Schauenburg gehörte, nämlich der Grafschaft Pinneberg, die bis an die Elbe reicht, konnten die Hamburger eine weitere Ansiedlung von Bauern, Fischern und Handwerkern nicht verhindern.
Im Dreißigjährigen Krieg geriet Altona in die Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und Hamburg. In dieser Zeit hatte Altona unter den dänischen Soldaten schwer zu leiden, und darüber hinaus verstarben im August 1628 in der Ortschaft pro Woche etwa 140 Menschen an der Pest. Andererseits wurde in den Jahren 1638 bis 1639 eine prachtvolle Allee angelegt, die Palmaille.

Als 1640 der letzte Schauenburger Landesherr stirbt, besetzt der dänische König Christian IV. die Grafschaft Pinneberg, und damit auch Altona. Der Ort gehört fortan zum Herzogtum Holstein, das dem dänischen König ebenfalls untersteht. Die benachbarte Handelsmetropole Hamburg, auf die Dänemark seit Jahrzehnten Anspruch erhebt, soll von hier an ihren Einflüssen gehindert, vielleicht sogar erobert werden.
Mitte des 17. Jahrhunderts ist Altona erst ein Dorf vor Hamburg mit 2.500 Einwohnern und besteht aus einer armseligen Reihe von Bauernhöfen, Fischerkaten und Wirtshäusern. Als der dänische König Friedrich III. Altona am 23. August 1664 das Stadtrecht verleiht, ändert sich das. Ungewöhnliche Privilegien wie Zuzugs-, Religions- und Gewerbefreiheit machen Altona binnen kurzem zu einer der liberalsten Städte Europas. Das neue Stadtwappen zeigt im Gegensatz zu Hamburg ein geöffnetes Tor.

Mit königlicher Erlaubnis dürfen die Kaufleute die im Altonaer Hafen umgeschlagenen Waren unverzollt stapeln. Damit entsteht einer der ersten Freihäfen Europas, ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber der bislang konkurrenzlosen Nachbarstadt. Die Hamburger Ratsherren sind davon sehr beunruhigt.
Im Zuge des Großen Nordischen Krieges ließ der schwedische General Stenbock im Januar 1713 Altona, im Osten beginnend, planmäßig Haus für Haus in Brand setzen. Etwa 60 % der Gebäude wurden zerstört, weshalb außer der Straßenanlage der Palmaille so gut wie nichts mehr an das Altona vor dem „Schwedenbrand“ erinnert.

(Abb.: Wikimedia Commons, Kupferstich von 1719, Urheber unbekannt, gemeinfrei)
Der im selben Jahr zum Oberpräsidenten ernannte Christian Detlev von Reventlow gilt als Neugründer der Stadt; u. a. erwirkte er beim König weitgehende Rechte zu ihrem Wiederaufbau. Ihm unterstanden auch die Ansiedlungen Ottensen und Neumühlen. Mit Claus Stallknecht, der nahe dem Nobistor auch das Alte Rathaus errichtete, wurde ein eigener Stadtbaumeister bestellt. Die Zeit vom Wiederaufbau bis zur Kontinentalsperre (1807) wurde von den Chronisten als „goldene Epoche“ Altonas bezeichnet.

(Abb.: Wikimedia Commons, Beschreibung: Eröffnung des Balkones am Alten Rathaus Altona 1. Juni 1802, Kolorierter Stahlstich um 1802, Verlag Berenake Hamburg, gemeinfrei)
Mit rund 12.000 Einwohnern 1710 und rund 24.000 Einwohnern 1803 war Altona nach Kopenhagen die zweitgrößte Stadt innerhalb des dänischen Gesamtstaates. Die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches (1806) durch die Napoleonischen Kriege und die Mitgliedschaft im Deutschen Bund (1815) änderten für Altona – wie für das Herzogtum Holstein insgesamt – politisch wenig, es wurde weiterhin durch den dänischen König verwaltet, in die dänische Politik einbezogen und von dieser gefördert. Wirtschaftlich allerdings endete Altonas „goldene Zeit“ durch die Napoleonische Kontinentalsperre grundlegend, die totale Elbblockade brachte viele Handelshäuser, Reedereien und exportorientierte Gewerbe an den Rand des Ruins.
Schleswig-Holsteins erste Kunststraße, die Altona-Kieler Chaussee, verband ab 1833 Altona und Kiel. Bis ins 19. Jahrhundert hatten sich die Reisenden über schlechte Wege, die sich bei Regen und Eis in matschige Gruben verwandelten, mühsam bewegen müssen. Die Chaussee Kiel – Altona wurde unter der Regentschaft von Friedrich VI., König von Dänemark und Herzog von Holstein, gebaut und 1832 offiziell eröffnet. Ab 1834 führte in Neumünster eine Brücke über die Schwale und die Chaussee war vollendet. Zunächst war die Straße nur als Schotterpiste (Makadam-Decke) angelegt. Ab 1840 pflanzte man die Chaussee als Allee auf. Vor allem Linden, aber auch Ulmen, Ahorn, Eichen und Eschen säumten sie. Lange war die erste Kunststraße Schleswig-Holsteins in Vergessenheit geraten. Dabei revolutionierte sie bei ihrer Gründung 1832 die Verkehrssituation im Lande. Neun statt sechzehn Stunden Fahrt – Kutschen, Güter und Post brauchten immerhin in der Regel sieben Stunden weniger von Kiel bis nach Altona.

(Abb.: Wikimedia Commons, Stich nach Julius Gottheil 1810-1868, gemeinfrei)
Beschreibung: Die Stadt Altona um 1860. Blick vom Turm der Ottense’ner Christianskirche auf den Sackbahnhof der Altona-Kieler Eisenbahn (vorne links), die baumbestandene Palmaille und die Elbe. Im Hintergrund im Dunst liegen die damaligen Anfänge von Hamburg.
1839 schlug die regionale Geburtsstunde des (zunächst noch privat betriebenen) Personennahverkehrs; die „Basson’sche Pferdeomnibuslinie“ nahm am 31. Oktober den Betrieb zwischen Altona und Hamburg im Halbstundentakt auf und trug dazu bei, den wachsenden Verkehr zwischen den Nachbarstädten zu bewältigen. Diese erste öffentliche Pferdeomnibuslinie mit festem Fahrplan und Fahrpreisen in Hamburg führte seit dem 31.10.1839 von Altona-Palmaille über das Nobistor und das Millerntor zum Schweinemarkt. Die Firma Basson & Co. besaß anfänglich vier gebrauchte Wagen aus England. Jeder Wagen konnte ein Dutzend Fahrgäste aufnehmen. Der Einstieg war an der Wagenrückseite. Die Linie wurde um das Jahr 1841 bis Barmbek verlängert.
Im Vormärz formierte sich auch in Altona, obwohl es seit 1640 immer von den dänischen Königen begünstigt worden war, Widerstand gegen die wachsenden Danisierungsabsichten unter Christian VIII. und Friedrich VII. Ein Altonaer Kaufmann unterstützte die letztlich erfolglose Schleswig-Holsteinische Erhebung (1848–1852) gegen die Krone am 23. März 1848 mit 100.000 Mark Courant.
Viele Altonaer bejubelten Weihnachten 1863 den Einmarsch deutscher Bundestruppen in die Stadt. Nach Dänemarks Niederlage im Deutsch-Dänischen Krieg (1864) wurden Schleswig und Holstein von Preußen und Österreich zunächst gemeinsam als Kondominium verwaltet. Mit der Gasteiner Konvention vom 14. August 1865 kam Holstein dann unter österreichische Verwaltung. Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg wurde Schleswig-Holstein als Ganzes 1867 zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein und als solche 1871 Teil des Deutschen Reiches.
Zinnfiguren zum Thema
Die ehemalige Offizin GO international (Golberg) hatte den Hamburger Pferdeomnibus als Zinnfigur in ihrem Sortiment, dazu passend, aber nicht zusammengehörend, auch zivile Zinnfiguren aus der Serie „Die Pfingstpartie“ der Zeitepoche 1820-1870.
Die Figuren sind heute als Blankfiguren bei der Offizin Dangelmaier erhältlich, allerdings habe ich die vorstehenden Figuren in einer Zusammenstellung des Vorbesitzers, sogar in guter Sammlerbemalung, von der Offizin „Berliner Zinnfiguren“ (Scholtz) antiquarisch erstanden.
Hierzu gab es bereits folgende Beschreibung von Scholtz:
„31. Oktober 1839 erster Linienverkehr im Halbstundentakt zwischen Hamburg und Altona durch die Firma Basson & Co. 1866 wurde dann die erste Pferdebahnstrecke eröffnet.
Schön schattiert bemalt.“
Quellen:
Wikipedia, Artikel „Bezirk Altona“, Geschichte, https://de.wikipedia.org/wiki_bezirk altona
Wikipedia, Artikel „Pferdeomnibus“, https://de.wikipedia.org/wiki/Pferdeomnibus
NDR, Artikel von Dirk Hempel „Altona: Wie das dänische Dorf zur Stadt und zum Szeneviertel wurde“, Stand: 17.07.2025 15:30 Uhr
IFSS-BFFS Catalogs, https://intflatfigures.org/BFFS/Vendor%20Catalog/Dangelmaier/Goldberg/
Katalog ehem. Offizin GO international, Katalog No. 9.1, Zivilfiguren 1780-1995



