„Die Xipehuz“- Ein Ausflug in die Welt der Plastikfiguren und der Science-Fiction des 19. Jahrhunderts

Vor vielen Jahren bereits faszinierte mich die Science Fiction-Kurzgeschichte „Die Xipehuz“ aus dem Jahr 1887. Dann, vor zwei Jahren fasste ich den Plan, diese in ein Diorama umzusetzen. Insgesamt bietet S-F sehr gute Motive für Dioramen, im Internet gibt es genügend Beispiele dafür. Allerdings wurden „Die Xipehuz“ m. W. noch nicht so dargestellt.

Jedenfalls habe ich im Netz nichts gefunden, nur einige graphische Umsetzungen von Künstlern, z. B. für Buchillustrationen. Aufgrund der zu erwartenden Größe, ich wollte eine Schlacht darstellen, entschied ich mich für den Einsatz von Plastikfiguren im Maßstab 1/72 statt der größeren Zinnfiguren, die ich ja sonst sammele. Dazu kam, dass ich in dem Maßstab für das frühe Altertum des Nahen Ostens passende Figuren fand. Aber dazu später mehr. Worum geht es in der Geschichte und wer war der Autor? Der in Paris lebende Belgier Joseph-Henri Boex  (1856-1940) schrieb unter dem Pseudonym J.-H. Rosny Aîné in französischer Sprache ziemlich erfolgreich mehrere S-F-Kurzgeschichten und Romane, darunter die Romanvorlage für den bildgewaltigen und spannenden prähistorischen Spielfilm „Am Anfang war das Feuer“ von 1981, den einige vielleicht noch kennen. Der Autor selbst dürfte nur noch Liebhabern alter S-F und historischer Romane bekannt sein, zumal er in Deutsch, wie ich im Internet recherchiert habe, offenbar schon lange nicht mehr aufgelegt wird. Allerdings ist unsere Geschichte eigenständig im Kindle-Format bei einem großen Versandhaus erhältlich. Meine Ausgabe in Papierformat ist in einem SF-Sammelband von 1983 enthalten (s. u.)  Der Autor verließ übrigens in seinen späteren Jahren dieses Genre und schrieb Unterhaltungsliteratur, die heute aber wegen ihrer umständlichen, weitschweifigen Schreibweise als unlesbar gilt.

Die Geschichte „Die Xipehuz“ besteht aus zwei Teilen. Im ersten wird berichtet, wie ein Nomadenstamm mit seinen Tierherden, der in der Ebene von Mehur-Azar eine Rast im Wald von Kzur machen will, von außerirdischen Wesen, den sogenannten Xipehuz bzw.  Formen, durch Lichtstrahlen angegriffen und nahezu vernichtet wird. Diese versammeln sich am Ufer eines Bachs, der den Wald durchfließt. Im Laufe der nächsten Jahre breiten sich diese Formen immer weiter über das Land aus und es kommt zu einem weiteren Zusammenstoß mit einem anderen Nomadenstamm. Daraufhin beschließen die Priester der Stämme, trotz anfänglicher Bedenken den klugen Bakhun um Hilfe zu bitten, den Bruder eines angesehenen Hohepriesters. Sie misstrauen ihm aufgrund seiner fortschrittlichen Lebensweise und religiösen Ansichten, denn er lebt mit seiner Sippe bereits sesshaft in einem fruchtbaren Tal und folgt auch nicht ihrem Götterglauben. Interessiert nimmt er die Aufgabe an, stimmt aber nur zu, die Formen beobachten zu wollen. Im zweiten Teil der Geschichte beschreibt Bakhun selbst seine Beobachtungen und letztlich den Kampf der Menschen gegen die Formen. Auf seinem schnellen Hengst Kuath kann er sich ihnen nähern und erkennt ihre Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit durch Lichtzeichen, aber auch ihre Vermehrung und den Lebenszyklus, in dessen Verlauf sie mehrere Formen annehmen. Immer wieder versuchen sie, ihn mit Hilfe der Lichtstrahlen zu töten, aber er entkommt ihnen, wenn auch nur manchmal mit knapper Not. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt es ihm, durch einen gewaltigen Pfeilschuss seines eigens dafür angefertigten riesigen Bogens heraus zu finden, dass die Xipehuz an einer einzigen Stelle ihres Körpers durch eine metallene Spitze verwundbar sind, nämlich an ihrem „Stern“, von wo aus sie auch ihre tödlichen Lichtstrahlen senden. Nachdem der Xipehuz getroffen wurde, schrumpfte er zu einem Stein zusammen. (In einer Fußnote schreibt J.-H. Rosny Aîné, dass u. a. im Kensington-Museum in London derartige mineralische Gesteinsbrocken aufbewahrt werden, deren Zusammensetzung chemisch nicht weiter nachweisbar ist). Bakhun ruft daraufhin die Krieger der Stämme zusammen und erklärt ihnen die Durchführbarkeit eines Krieges gegen die Formen. Daraufhin kommt es unter seiner Führung zu zwei großen, für die Menschen äußerst verlustreichen Schlachten. Die Xipehuz waren immer in der Unterzahl, sind aber durch ihre Strahlenwaffe stärker als die Menschen. Das Schlachtenglück geht hin und her, die Menschen sind kurz vor dem Untergang, aber Bakhun ersinnt immer neue Strategien, die am Ende doch den Sieg bringen. Die Stämme wollen ihm danach den Oberbefehl über sie übertragen, aber er lehnt ab. Niemals sollten so viele Menschen ihr Schicksal einer einzigen, fehlbaren Kreatur anvertrauen. Stattdessen sollten sie den all einzigen Gott anbeten und auf der Erde über sich nur die Weisheit anerkennen. Mit dreien seiner Söhne schreibt er später auf Granittafeln in vorassyrischer Schrift diese Geschichte auf, damit sie späteren Völkern überliefert wird. (In einer entsprechenden Fußnote weist J.-H. Rosny Aîné auf die als Buch erhältliche Übersetzung des Herrn Dessault hin). Bakhun selbst ist nicht stolz auf den Sieg. Er betrauert die Xipehuz und fragt seinen Gott, welches Schicksal es gewollt hat, dass der Glanz des Lebens durch die Finsternis des Mordes befleckt wird.

Jetzt zum Diorama: Aufgrund von Platzgründen beschränkte ich mich auf einen Bilderrahmen als Grundplatte mit den Außenmaßen 32,5 mal 23,5 cm. In dem Maßstab 1/72 lassen sich dabei aber schon viele Figuren unterbringen. Bevor man ein Diorama baut, sollte man sich darüber klar werden, welche Szene man eigentlich darstellen will, hier z. B. den Endkampf gegen die Xipehuz, und wie die Umgebung ausgesehen haben könnte. Da ich von einer Landschaft im Nahen Osten bzw. Irak (Mesopotamien) ausgehe, musste ich mir im Internet entsprechende Fotos ansehen. Da unsere Geschichte rein fiktiv ist, gibt es natürlich keine historischen Darstellungen. Wir wollen einen vorgeschichtlichen Wald darstellen, dazu bieten sich für die Region z. B. Dattelpalmen an. Ferner benötigen wir einen mit Steinen durchsetzten Bach. An dessen Ufern sollen ja die Formen stehen. Ich fügte dem noch eine Felswand mit einem Wasserfall dazu, darin sollte die Beleuchtung einbaut werden. Eine einfache Bleistiftskizze auf der Grundplatte hilft ungemein, sich beim späteren Bau zu orientieren. Für das Auge des Betrachters ist es angenehmer, Gebäude, Felsen etc. etwas schräg aufzustellen. Das hatte ich jetzt bewusst nicht gemacht, da mir der Bach sonst zu kurz ausgefallen wäre.

Das verwendete Material besteht aus:

 

– Fertigen Grasbüscheln aus dem Modellbaubereich

– Dattelpalmen, die für Modellbau, aber auch als Dekomaterial genommen werden,

gibt es in verschiedenen Größen günstig im Internet, kommen aus China

– Acrylfarben, für die Landschaft können es durchaus auch Kindergartenfarben sein.   Für die  Figuren nehme ich Acrylfarben von Revell. Der Bachlauf wurde aus    Klarlack hergestellt. Für tiefere Wasserflächen nehme ich gerne Window-Color   transparent

– Glitzer und Acryldekodiamanten aus der Bastelabteilung des Ein-Euro-Ladens

– Durchsichtige Plastikröhrchen und Verpackungen von tiefgefrorenem Aquarien –      fischfutter als Basis für die runden und viereckigen „Formen“

– Knetgummi für Kinder, um die Röhrchen zu verschließen

– Verpackungsmaterial aus Pappmaché für die Felsen

– Watte für Aquarienfilter, um Rauch darzustellen

– Winzige Bernsteinsplitter, vor vielen Jahren am Strand gesammelt. Diese stellen              die „Leichen“ der Formen dar, die laut dem Autor „gelbliche, blaugestreifte               Kristalle in unregelmäßiger Form“ waren

– Die Darstellung der Sterne auf der Unterseite der Formen machte mir am meisten   Kopfzerbrechen. Am Ende nahm ich ausgeschnittene Sterne von kleinen         Aufklebern mit Flaggen, die von der Größe passten.Selber malen ist schwierig.

– Gesiebte Erde aus der Natur, ich benutze dafür ein kleines Teesieb, die nach dem          Auftragen auf eine mit Leim oder Klebstoff behandelte Oberfläche sogar noch      farblich nachbehandelt werden kann. Mit einer Mischung aus Erde und Acrylfarbe        kann man die Fußbrettchen verbergen. Das Aufkleben selbst geht am besten mit dickerer Acrylfarbe oder -paste. Man kann sie natürlich vorher auch mit einem          Skalpell entfernen, das ist aber nicht so einfach. Sonst sind die Füßchen nämlich mit weg.

– Aquariumkiesel bzw. größere aus dem Garten, für Bach und Gelände. Man kann     auch Katzenstreu nehmen.

– Leuchtdioden mit Batteriefach und Schalter, gibt es im Ein-Euro-Laden oder im        Discounter. Die kleinen Lämpchen führte ich in einen Teil der Formen ein. Die Kabel          laufen unter einer Pappe vor der Felswand. Klingt alles einfach, war aber eine arge Fummelei, so dass ich erst schon wieder aufgeben wollte.

 

Jetzt für uns Figurensammler das Wichtigste, nämlich die verwendeten Figuren:

Mit zwei Ausnahmen, nämlich den Packesel und Bakhuns Hengst Kuath, die kommen aus anderen Serien, sind alle von der taiwanesischen Firma Caesar Miniatures aus der Serie „History 014 Biblical Era Hebrew Warriors“. Die ist allerdings heutzutage schwer zu bekommen, weil sie nicht mehr hergestellt wird. Ein Teil der Figuren können für die gewünschte Darstellung leider nicht verwendet werden. Wichtig aber war, dass acht Bogenschützen in zwei verschiedenen Posen vorhanden sind. Diese sollten dann verschiedenfarbig bemalt werden. Die Handwaffen, Keulen, Schwerter, Dolche usw. liegen extra in einer kleinen Tüte bei. Darunter auch ein Teil, dass einen Kieferknochen eines Esels darstellen soll. Diese ist für eine Figur, die im Gegensatz zu den anderen nur einmal vorhanden ist und offenbar den israelitischen Helden Samson darstellen soll. Dieser bekämpfte laut der Bibel seine Feinde, die Philister, mit dieser unkonventionellen Waffe. Diese Figur sollte jetzt aber stattdessen unseren Helden Bakhun darstellen, aus Draht und Bindfaden fertigte ich dazu seinen sehr großen Bogen und einen langen Pfeil. Einige Krieger erhielten aus Plastik noch Stöcke und Speere, die sie zum Umstoßen der Formen benutzen. Die Bemalung der Figuren beendige ich übrigens vor Baubeginn des Dioramas. Sonst zieht sich der Bau doch sehr lange hin. Aber das kann natürlich jeder machen, wie er es für richtig hält. Letztlich ist  dabei der Weg das Ziel. Falls sich im Laufe des Baues herausstellt, dass doch noch einige Figuren fehlen, bemale ich sie natürlich noch parallel dazu. Das findet man am besten durch zwischendurch vorgenommene provisorische Aufstellungen heraus (siehe Fotos). Ganz zum Schluss beschriftete ich den Bilderrahmen. Dazu nahm ich Decalfolie, sogenannte Wasserschiebefolie, für den Modellbau. Ist nicht ganz einfach aufzubringen, sieht aber gut aus.

Dann viel Spaß beim Nachbauen und Betrachten der Fotos!

Rolf Ehlers Maaßen

Quellen:

Internetseite: Plastic Soldier Review:  Caesar Hebrew Warriors

Buch: Isaac Asimov präsentiert: Science Fiction Erzählungen des 19. Jahrhunderts, herausgegeben von Wolfgang Jeschke (antiquarisch)

Buch: José Brito Dioramenbau Das Praxisbuch für Modellbauer, GeraMond Verlag (guter Einstieg in den modernen Dioramenbau)

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