Die Sage von Jan und Griet

(nach Karl Cramer, Kölner Dichter)

Diese Sage, welche in mündlicher Überlieferung aus Köln bzw. dem Kölner Umland stammen soll, wurde 1837 von dem Kölner Dichter Karl Cramer (*1807, 1863) als Gedicht in Kölner Mundart verfasst.

Sage und Gedicht handeln von der unglücklichen Liebe des jungen Burschen Jan, der als Bauernknecht um 1610 die hübsche Magd Griet heiraten wollte und von ihr wegen seiner ärmlichen Verhältnisse bei seinem Heiratsantrag abgewiesen wurde. Griet gefiel zwar eigentlich der gutaussehende Mann auch, sie hoffte aber, aufgrund ihres hübschen Aussehens, eine bessere Partie in wirtschaftlicher Hinsicht machen zu können. Jan, von der Ablehnung schwer getroffen, ließ sich von einem Werber für die spanische Armee des Generals Spinola anwerben und zog in den Krieg. Da Jan ein tüchtiger Soldat war und zudem auch noch Glück hatte, konnte er Offizier werden und im Laufe der Zeit während des Dreißigjährigen Krieges bis zum General aufsteigen sowie viele entscheidende Siege erringen. Nach seinem Sieg bei der „Feste Hermanstein“ (Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz), die er belagerte und 1637 von der französischen Besatzung befreite, zog er 1638 hoch zu Ross im Triumphzug durch die Severinstorburg mit seinen Truppen in Köln ein.

Köln, Severinstorburg, Feldseite
(Bild von Jakob Scheiner 1877)

Dabei entdeckte er am Tor seine einstige große Liebe Griet, die dort an einem Bauernstand Äpfel aus der Ernte ihres Mannes feilbot. Ihr damals langes blondes Haar war nach den vielen vergangenen Jahren natürlich nicht mehr so leuchtend, und die Ehe mit ihrem Mann, einem mürrischen Obstbauern, war auch nicht das, was sie sich einst erträumt hatte. Er lenkte sein Pferd zu ihrem Stand, hielt dort an, zog seinen Hut und sagte zu ihr: „Griet, wer et hätt jedonn!“ (Griet, wer es getan hätte!). Und sie antwortete ihm: „Jan, wer et hätt jewoß!“ (Jan, wer es hätte wissen können!). Er nahm daraufhin wieder seinen Weg auf und ritt an der Spitze seiner Truppen weiter durch das Spalier der jubelnden Kölner Bürgerschaft.

Abb.: Nostalgische Künstlerkarte „Jan und Griet – Das Wiedersehen“
(nach einem Aquarell von Josef Passavanti)

Soweit die kurze Inhaltsangabe der Sage von Jan und Griet. Im Gegensatz zur Magd Griet handelt es sich bei der Figur des Jan allerdings um die Einbindung einer real existierenden Persönlichkeit aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in die Sage, nämlich den General Johann Reichsfreiherr von Werth (*1591 in Büttgen, †1652 auf Schloss Benatek), der auch Jan von Werth genannt wurde.

In dessen Biografie kommt jedoch keine erfolglose Ehewerbung vor, zumal er in seinem Leben jeweils als Witwer insgesamt dreimal verheiratet war. Ein Nachweis der Beziehung aus der Sage ist trotz vielfältiger Forschung der Historiker nicht gelungen.

In seiner Jugend musste Johann von Werth, wie es damals in der Landwirtschaft üblich war, auf dem elterlichen Hof mitarbeiten, der etwas außerhalb von Büttgen lag. Mit dem Tod seines Vaters, der einfacher Bauer war und dennoch von ostfriesischem Adel gewesen sein soll, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Familie katastrophal, was zum Verlust von Hof und Land und damit der Lebensgrundlage führte. Johann musste schließlich mit seiner Mutter, die eine geborene von Streithoven war, und den acht Geschwistern in ein kleineres Haus umziehen und verdingte sich fortan als Knecht auf fremden Höfen. Seine einfache Herkunft erlaubte es ihm nicht, dass er je das Schreiben und Lesen erlernte, so dass es keine eigenhändigen Schriftstücke von ihm gibt. Ein allgemeines Schulwesen war ja noch nicht vorhanden.

Seine beispiellose Karriere im Militärdienst begann danach wie folgt:

Mit 19 Jahren trat er als Söldner in die spanische Armee unter General Ambrosio Spinola ein. In den folgenden Jahren diente er in der Kavallerie und arbeitete sich im kaiserlichen Dienst bis zum Offizier hoch. 1620 nahm er in einem Kürassierregiment an der Schlacht am Weißen Berg teil, der ersten großen Schlacht des Dreißigjährigen Krieges. Im Jahr 1621 wechselte Johann von Werth dann in die militärischen Dienste von Kurköln und wurde bei der zweiten Belagerung von Jülich (1621/22) auf Grund seiner Leistungen zum Rittmeister befördert.

Johann von Werth
(Gemälde im Stil von Pieter de Jode der Ältere)

Ein Jahrzehnt später kämpfte er 1631 als Obristwachtmeister (Major) unter Tilly in einem bayerischen Reiterregiment, welches ihm bereits im Dezember 1632 nach seiner Beförderung zum Oberst verliehen wurde. Zwei Jahre später wurde er im Februar 1634 nach seinem Sieg über ein schwedisches Korps bei Herrieden zum bayerischen Generalwachtmeister (Generalmajor) befördert, und im gleichen Jahr gelang es ihm, am 6. September in der Schlacht von Nördlingen mit seiner Kavallerie die Grundlage zum Sieg zu erkämpfen.

Für seine Leistung in dieser Schlacht erhielt er durch seinen Dienstherrn, den Kurfürsten Maximilian I. von Bayern, die Beförderung zum Feldmarschallleutnant der Reichsarmee und Kaiser Ferdinand II. zeigte seinen Dank, indem er Johann von Werth im April 1635 zum Freiherrn erhob. Außerdem wurde er vom bayerischen Kurfürsten mit Gütern in Bayern, der Oberpfalz und Böhmen belehnt.

 

Nachdem die Franzosen im Bündnis mit dem Herzog von Sachsen-Weimar im Oktober 1635 in den Krieg eingetreten waren, wurde die bayerische Kavallerie 1636 unter v. Werth am kaiserlich-spanischen Feldzug in Frankreich beteiligt. Als der Feldzug scheiterte, zog sich Johann von Werth nach dem 19. September 1636 mit der bayerischen Kavallerie zurück.

 

Im Januar 1637 versuchte der hessische General Peter Melander, Graf von Holzappel, die französisch besetzte Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz zu entsetzen, die seit dem vergangenen Jahr von kaiserlichen Truppen belagert wurde. Johann von Werth zog daraufhin von Köln aus gegen die Festung Ehrenbreitstein. Er schlug am 30. Januar Melander unterhalb der Festung und übernahm die Führung der Belagerung. Nachdem es ihm gelang, die französische Besatzung auszuhungern, kapitulierte die Festung am 28. Juni 1637. 1638 geriet von Werth in französische Kriegsgefangenschaft, in der er bis Sommer 1642 blieb. Danach zurück und zum Generalleutnant befördert, kommandierte er die gesamte kurbayerische und kurkölnische Kavallerie. Gegen Kriegsende seit 1647 in kaiserlichen Diensten, wurde Johann von Werth von Kaiser Ferdinand III. in den Grafenstand erhoben und führte als General der Kavallerie noch einen kaiserlichen Feldzug gegen die Schweden, besiegte am 6. Oktober 1648 in der Schlacht bei Dachau den schwedischen General Carl Gustav Wrangel und erzwang den Rückzug der schwedischen und französischen Truppen.

 

Soweit die verbürgten Begebenheiten aus dem Leben des Johann von Werth, die teilweise doch

 

etliche Gemeinsamkeiten mit der Sage aufzeigen.

„Eine schöne Geschichte“ wird die Sammlerschaft sagen, „aber was hat das alles mit Zinnfiguren zu tun?“ Nun, es werden viele nicht wissen, wie bislang auch der Autor, dass seinerzeit Dr. v. Droste in seiner umfangreichen Serie zum Dreißigjährigen Krieg auch die beiden Flachfiguren „Jan“ und „Griet“ in 30 mm-Größe herausgegeben hat, welche auch heute noch von der Offizin Fechner bezogen werden können.

Griet
Jan von Werth

Wer eine entsprechende Szene oder gar ein Diorama gestalten möchte, hat noch vielfältige Ergänzungsfiguren aus dem breiten Angebot vieler Herausgeber der Epoche des Dreißigjährigen Krieges zur Auswahl, auch entsprechende weitere Figuren der Offizin Fechner.

verwendbar als Offiziere
(Abb. aller Figuren aus dem Shop-Katalog der Offizin Fechner)

Quellen:

– Seite „Johann von Werth“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Oktober 2020, 20:05 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_von_Werth&oldid=205033144 (Abgerufen: 1. Januar 2021, 22:04 UTC)

 

– Artikel „Werth, Johann Graf von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 103–111, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Werth,_Johann_von&oldid=- (Version vom 2. Januar 2021, 13:48 Uhr UTC)

 

– Text 42 Julian von Heyl, Artikel „Jan und Griet“ (freie Nacherzählung)

 

– Shop-Katalog SHA-Zinnfiguren, Werner Fechner, Michelstadt

 

Geriet Stenvers

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.