Bemalung von Wikingern

wikinger2Kaum eine Epoche hat in den letzten Jahren einen so deutlichen zinnfigürlichen Bedeutungszuwachs wie die Wikingerzeit erfahren.
Dies mag vielleicht daran liegen, dass die historische Darstellung der Wikingerzeit Ihren besonderen Reiz ausübt. Da sind die mit einfachen Techniken hergestellten, aber dennoch sehr reizvollen Kunstwerke, die absolut seetauglichen Schiffe, die sich hervorragend für einen schnellen Strandraub eignen und die „markigen“ Sprüche, derer sich die Helden der isländischen Sagas selbst im Angesicht des Todes noch befleißigen.

Uns interessiert natürlich vor allem die Tracht der Wikinger, damit wir die kleinen Krieger auch möglichst historisch korrekt in Szene setzen können.

Bewaffnung:
Bei Zusammenstellung von Kampfszenen sollte man darauf achten, dass die Bewaffnung der Wikinger eher leicht war. Kettenhemden waren zwar bekannt, kosteten aber den Gegenwert von 820 g Silber. Ein Kilogramm Getreide kostete dagegen lediglich 3 g Silber und eine Sklavin 204 g. Ein Schwert mit Scheide kostete 478 g Silber war also auch eher eine Waffe für reiche Krieger . Dies wird auch daran deutlich, dass Schwerter in der Saga-Literatur oft Namen erhalten.
Der einfache Krieger wird also mit Lanze und oder Axt bzw. dem sehr schlagkräftigen Langbogen ausgerüstet gewesen sein. Helme waren auch eher ungebräuchlich, da es nur sehr wenige Funde gibt.
Gebräuchlich waren Rundschilde aus Holzbrettern mit einer Dicke zwischen 0,7 und 1,0 cm und einem Durchmesser zwischen 70 und 90 cm. In der Mitte befand sich ein eiserner Schildbuckel. Der Rand war mit einem Rohlederstreifen und allenfalls mit eckigen Metallklammern eingefasst. Dieser Lederstreifen wurde nass festgenäht und gab dem Schild zusätzliche Stabilität.
Die in der Völkerwanderungszeit üblichen Eisenränder scheinen anhand der archäologischen Befunde nicht mehr üblich gewesen zu sein. Dies scheint in der Kampftechnik der Wikingerzeit begründet zu sein. Der Schild dient zunächst dazu, die Wurfgeschosse, die in der ersten Phase des Kampfes Verwendung fanden, abzuwehren. In der zweiten Phase des Kampfes kamen dann Lanzen, Schwerter und Äxte zum Einsatz. Hier vermochte der Mit Leder eingefasste Rand des Schildes nochmals gute Dienste zu leisten. Ein mit dem Schildrand parierter Axt- bzw. Schwerthieb sorgt dafür, dass die gegnerische Waffe im Holz stecken bleibt und mit einer Drehung dem Griff entwunden werden kann. Danach war dann das Schicksal des nun Waffenlosen mit einem Hieb schnell besiegelt .
Die meisten erhältlichen Figuren scheinen hier einen Fehler aufzuweisen, da die Gravuren einen metallenen, genagelten Schildrand suggerieren.

Leder:
Wikinger trugen gerne mit bronzenen Riemenzungen verzierte Gürtel – silberne Verzierungen waren üblich aber eher den reichen Kriegern, Händlern und Bauern vorbehalten.
Huskarls (Knechte) mussten sich auch mal mit Gürtelschnallen aus Knochen oder Horn begnügen.
Das Leder wurde pflanzlich gegerbt, hatte also helle bzw. dunkle Brauntöne.

Kleidung:
Die Kleidung der Wikinger bestand im Wesentlichen aus Wolle. Vermögende Bauern und Händler konnten sich auch Seide aus dem Orient leisten.
Wikinger liebten die Zurschaustellung ihres Reichtums und verzierten ihre Kleidung mit aufwändig gearbeiteten Borten und Schmuckstücken.

Zu diesen Borten wurden Seiden-, Gold-, und stark gefärbte Wollfäden verarbeitet. Man kann die Farbgebung hier durchaus etwas leuchtender gestalten.
Es sind natürlich nur wenige Textilien aus der Wikingerzeit erhalten geblieben und diese befanden sich in einem bedauernswerten Zustand. So hat man in Haithabu Teile einer Hose gefunden, die als Putzlumpen bei der Abdichtung eines Schiffes Verwendung gefunden hatte. Ich habe die Bildbeispiele so gewählt, dass ein guter Überblick über die verschiedenen Trachten gegeben wird.
Ich empfehle als Referenzliteratur neben den Osprey-Heften insbesondere folgendes Werk:
Nurman/Schulze/Verhülsdonk – „Die Wikinger: Krieger-Seefahrer-Händler“
O.g. Buch enthält eine große Fülle von Photos aus dem Reenactmentbereich, wobei man davon ausgehen kann, dass die gezeigten Kostüme so weit wie möglich authentisch sind.
Darüber hinaus kann auch ein Bildband über den Teppich von Bayeux , der die Schlacht von Hastings (1066) bildlich darstellt, als Inspiration dienen.Wikinger 007

Farbgebung:
Aus der Eisen- und Völkerwanderungszeit sind einige Kleidungsstücke z.B. im Thorsberger Moor geborgen worden, die man ebenfalls als Referenzmaterial heranziehen kann, da die verwendeten Färbe- und Verarbeitungsmethoden sicher auch noch während der Wikingerzeit Anwendung fanden.
Es ist davon auszugehen, dass „der einfache Mann“ seine Kleidung nicht aufwändig färben konnte, daher werden die verschiedenen von fast weißen bis dunkelbraunen Wollfarben dominieren.
Als Färbemittel fanden folgende Stoffe Verwendung :

• Krapp (rot)
• Waid, Eschenrinde, Heidel- oder Hollunderbeeren (blau)
• Waid mit Krapp überfärbt (purpur/violett)
• Färberginster, Färberwau (zitronengelb, Dunkelbraun oder olivgrün)
• Birkenblätter, Bärentraubenblätter, Pflaumen- oder Apfelbaumrinde (gelb)
• Waid (indigohaltig) mit gelb überfärbt (grün)
• Stechginster (moosgrün)
• Galläpfel, Eicheln (schwarz)
• Blutreizker (gelb-rot)

Anhand der oben genannten Farbstoffe und ihrem Herstellungsaufwand hat die, in England beheimatete „Society of Ancients“, eine Vereinigung von Wargamern eine Farbvorschlagsliste aufgestellt:

Gewandüblichseltenrar
Tunika -Adeligeblau,rotGrün, hell-purpur/violett, gelb, schwarzWollweiß, Grau, braun, ocker-orange, Gelb-braun
Hose-AdeligeDunkelbraun, braunGrau, gelb-braun, rot, blauGelb, schwarz
Wadenwickel-AdeligeBlass-rotRot-braunhellbraun, dunkelbraun, orange
Tunika-BauernVerschiedene BrauntöneBlau, grün, grau, beigeBlass-rot, mauve, gelb-braun, gelb, ocker-orange
Hose-BauernVerschiedene Grautöne, dunkelbraunHellbraun, ocker-orangeBlass-rot, blass-grün, gelb-braun, dunkelblau
Mantel-BauernVerschiedene Grautöne, braun, dunkelgrünDunkelbraun, rotRot-braun,
mauve, gelb
Wadenwickel-BauernHellbraunWollweißRot, rot-braun, gelb, orange, dunkelbraun, dunkelblau
SchildeNatürliches Holz, rotGelb, schwarzBlau, grün, weiß, braun

Die Farben kamen mit Sicherheit in verschiedenen Schattierungen vor, aber niemals leuchtend.
Man macht keinen Fehler, wenn man den Farben ein wenig Dove oder Braun beimischt.
Ich wähle die Farbkombination von Ober und Untergewand immer so, dass ein Kontrast entsteht, d.h. ich vermeide dunkel-dunkel bzw. hell-hell Farbkombinationen.

alleNun möchte ich noch eine Anleitung zur Farbmischung geben. Ich verwende zur Bemalung Ölfarben von Lukas bzw. Schmincke/Mussini. Ich bemale die weiß grundierten Figuren zunächst mit einem mittleren Farbton, den ich komplett trocknen lasse und schattiere danach mit einer naß-in-naß-Technik mit dem dunklen und hellen Farbton, wobei ich den dunkeln mit viel Malmittel und den hellen etwas dicker aber nicht deckend anrühre:

Farbe


Hell


Mittel


Dunkel


Blau


Titanweiß (M103)


Indigo (M478) +

Dove (M792) +


Titanweiß (M103)


Indigo (M478) +

Dove (M792)


Blass-rot


Brilliant gelb (M224)


Brilliantscharlach (M340) +

Brilliant gelb (M224)


Alizarin Kraplack (M347)


Rot


Chromorangeton (M243)


Alizarin Kraplack (M347) +
Brilliantscharlach (M340)


Alizarin Kraplack(M347) +
Sienna gebrannt natur (M661)


Rot-braun


Chromorangeton (M243)


Englischrot hell (M651)


Sienna gebrannt natur (M661)


Mauve


Titanweiß (M103)


Kobaltviolett dunkel (M482)
+

Titanweiß (M103)


Kobaltviolett dunkel (M482)
+


Alizarin Kraplack(M347)


Dunkelbraun


lichter Ocker Attisch (M656)


Umbra gebrannt natur (M666)
+


lichter Ocker Attisch (M656)


Umbra gebrannt natur (M666)
+


Sienna gebrannt natur (M661)


Dunkelgrün


Zinkgrün hell (M375) +


nach Bedarf:


lichter Ocker Attisch (M656)


Permanentgrün dunkel
(L164) +


Terra di Sienna
natur (L39) oder

Sienna gebrannt natur (M661)


Permanentgrün dunkel
(L164) +


Terra di Sienna
natur (L39) oder

Sienna gebrannt natur (M661)


Hellgrün


Zinkgrün hell (M375) +


Brilliant gelb (M224)


Permanentgrün dunkel (L164)
+


lichter Ocker Attisch (M656)


Permanentgrün dunkel
(L164) +


Terra di Sienna
natur (L39) oder

Sienna gebrannt natur (M661)


Gelb


Brilliant gelb (M224)


Neapelgelb dunkel (M232)


 


lichter Ocker Attisch (M656)
oder

Terra di Sienna natur (L39)


Hellgelb


Brilliant gelb (M224) +


Titanweiß (M103)


Brilliant gelb (M224)


Terra di Sienna
natur (L39)


Wollweiß


Titanweiß (M103)


Titanweiß (M103)


lichter Ocker Attisch (M656)


beige


Brilliant gelb (M224)


lichter Ocker Attisch (M656)
+


Titanweiß (M103)


Terra di Sienna
natur (L39)


Ocker-orange


Chromorangeton (M243)


lichter Ocker Attisch (M656)
oder

Terra di Sienna natur (L39) +


Chromorangeton (M243)


Terra di Sienna
natur (L39) +


Sienna gebrannt
natur (M661)


Grau


Titanweiß (M103)


Dove (M792)


Elfenbeinschwarz (M780)


Schwarz


Titanweiß (M103)


Elfenbeinschwarz (M780) +


Titanweiß (M103)


Elfenbeinschwarz (M780)


L=Lukas
M=Mussini

Strandhøgg
Abschließend seien mir noch einige Bemerkungen zu den folgenden vier Bildern erlaubt. Es handelt sich hierbei um Auszüge aus meinem Diorama „Strandhøgg“, was Strandraub bedeutet. Für das Diorama verwendete ich Figuren von Golberg. Der Strandraub war eine beliebte Taktik. Man ließ die flachen Langschiffe auf den Strand laufen, sah zu dass man schnelle Beute an Silber oder Sklaven machte und war schon wieder verschwunden, bevor von den Nachbargehöften ernsthafte Gegenwehr herbeigeeilt war.

zweikampf
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